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München und die AfD

Sowas wird man doch mal sagen dürfen. Aus diesem Grund will ich jetzt mal sagen, warum nicht alle AfD-Wähler dumm sind und es intelligente Gründe gibt, die AfD zu wählen insbesondere dann, wenn sie die Macht ergreift. AfD Wähler werden dies niemals im persönlichen Gespräch sagen. So manch ein Münchner AfD-Wähler wird wahrscheinlich nicht einmal zugeben die AfD gewählt zu haben.

In Dorfchemnitz sind die Gründe offensichtlich, weil sie dort einfach abgehängt sind im Standortwettkampf dieser neoliberalen Republik. In München so scheint es, gilt dieses Argument nicht. Das ist aber nicht ganz so. München hat einen imensen Zuzug. Die Mietpreise steigen und steigen. Wer als Altmünchner umziehen wollte, hat dazu keinerlei Chance. Er kann glücklich sein, wenn er seine Wohnung behalten darf.
Wohneigentum sind für einen Arbeiter Utopie. Dennoch gibt es Arbeitsstellen, die eine Bezahlung haben, die nicht einmal die Mietkosten decken. Diese Arbeitsstellen werden sogar besetzt und sie werden manchmal von Menschen besetzt für die 1600 Euro Netto in Ostdeutschland ein hohes Gehalt sind. In München kannst Du Dir dafür gerade mal ein Mietklo leisten. Manche ziehen dann trotzdem hierher um nach einem oder zwei Jahren wieder zu verschwinden, weil sie feststellen, dass sie von dem Lohn dann weniger in der Tasche haben, als wenn sie woanders für weniger Geld arbeiten würden.

Für den Altmünchner hat das den Nachteil, dass er die Löhne, die in dieser Stadt eigentlich für eine Kassiererin oder sonst eine einfache Tätigkeit gezahlt werden müssten, damit man davon leben könnte, nicht durchgesetzt bekommt. Aber auch bei hochqualifizierten Jobs ist das so. Ich kannte einen Ingenieur, der eine Abfindung von 600.000 Euro genommen hatte. Das war die Zeit als Digital von HP geschluckt wurde. Er war der irrigen Meinung, dass die 600.000 Euro ihn bis zum nächsten Job schon über Wasser hätten halten können. Da hatte er sich geirrt. Wäre früher mit eigenem Haus noch die Arbeitslosenhilfe möglich gewesen, ist jetzt mit dem SGBII der Fall halt so, dass er keinen Cent bekommt. Das Haus war zwar jetzt abbezahlt, aber für ihn und seine Frau zu groß, nach SGBII Regeln. Er war für SGBII zu reich und musste das Restgeld nach Bezahlung der Hypothek verleben. Seine hohe Qualifikation nützte ihm überhaupt nichts, weil plötzlich viele dieser älteren Hochqualifizierten auf dem Arbeitsmarkt waren. Die Stellen wurden von billigeren Arbeitskräften von ausserhalb besetzt.

Solche Menschen fühlen sich nicht nur bedroht, sie sind es in ihrer Lebensweise auch irgendwie. Für diese Menschen wird das andere Menschen wegschicken plötzlich eine Gedankenperspektive. Würden diese anderen Menschen nicht kommen, dann ginge es ihnen vielleicht wieder besser. Unabhängig, ob das stimmt oder nicht, ist es aus einer egoistischen Perspektive tatsächlich so. Die anderen sind schuld. Die AfD verspricht das alte Leben. Die AfD verspricht die Begrenzung des Zuzuges. Die Menschen fragen sich genausowenig wie bei der NSdAP wie die AfD, dass dann machen will. Beziehungsweise sie wollen es vielleicht auch gar nicht so genau wissen, sie wollen nur, dass es ihnen selbst wieder besser geht.

Ich halten den Bruder meiner Großmutter für keinen Mörder, aber er hatte das NSdAP-Parteibuch und mit diesem Parteibuch wurde er dann Professor an der LMU. Die Professorenstelle wurde frei, weil ein Jude halt verschwand. Es ging ihm mit dem NSdAP-Parteibuch tatsächlich besser. Es wurde nicht gefragt, was mit den Juden geschah. Vielleicht wusste man es, aber man wollte es gar nicht wissen.

Das ist die Parallele zum Erfolg der AfD. Die Abgehängten wollen gar nicht wissen, wie die AfD das dann macht, die wollen, dass es ihnen besser geht. Und aus egoistischer Sicht heraus haben sie dafür vernünftige Gründe. Es gibt in München für Münchner so gut wie keinen bezahlbaren Wohnraum mehr. Selbst der soziale Wohnungsbau ist für arme zu teuer. Aber selbst wenn jemand in der Mittelschicht wäre, ein Häuschen ist nicht unter einer Million zu haben. Da dass in München niemand zugeben möchte, dass er sich München eigentlich nicht leisten kann, steigt die Überschuldung. Jedem geht es öffentlich hier gut. Selbstverständlich geht keiner auf pegidaähnliche Veranstaltungen. Die reichen Münchner gefallen sich darin, dass es sowas wie in Dresden hier nicht gibt. Aber das ist halt nur die verlogene Oberfläche. Die Armut und die Probleme der Menschen werten totgeschwiegen. Die Flaschensammlerin am Hauptbahnhof bekommt 2000 Euro Bussgeld und Hausverbot. Damit sind die Probleme zwar aus dem Blickfeld aber nicht verschwunden.

Eine Kampagne wie fediwgugl muss jenen Menschen, die überschuldet sind und noch nicht einmal 980 € für eine plötzliche Ausgabe haben, wie blanker Hohn erscheinen. Sie sagen dann, dass sie die AfD aus Protest wählen. Eigentlich wählen sie die AfD, weil sie gar nicht wissen wollen, wie die AfD es dann machen würde, dass es ihnen besser geht und in Kauf nehmen würden, dass der „Migrant“ und der „Arbeitsscheue“ im Arbeitslager verschwindet, Hauptsache ihnen ginge es dann wieder besser.

Übrigens laut destatis haben 33 Prozent also ein Drittel der Bevölkerung diese 980 Euro aus eigenen finanziellen Mitteln nicht und ich gehöre da nicht dazu.