Puigdemont

Wie viele meiner Blogeinträge ist ein Tweet der Anlass, ein spanischer oder möglicherweise katalanischer Anwalt, meint mich aufklären zu müssen mit den Worten Puigdemont illegally declared the independence of a part of Spain, even when more of a half of Catalans didn’t agree. Don’t forget this. He is not been prosecuted by his ideas. Ja aber sicherlich hat er das getan, wer sollte das denn vergessen. Allerdings im letzten Satz irrt sich der Anwalt, selbstverständlich wird er wegen dieser Ideen verfolgt.

Aber jetzt nehme ich mal die Rolle des advocatus diaboli. Versetze mich in die Position eines gar fanatischen Einheitsverfechter der spanischen Einheit. Es gäbe nichts heiligeres als den spanischen Staat. Der spanische Staat ist das gar göttliche schlecht hin und wer die spanische Einheit angreift ist des Teufels. Carles Puigdemont ist also der Teufel in Inkarnation und alles was er meint, denkt oder macht ist Teufelszeug. Er hat meine hochheilige spanische Einheit angegriffen auf den Scheiterhaufen mit ihm.

Huch, wo ist die Aufklärung geblieben? Wo sind die Bürgerrechte geblieben? Wo ist die Meinungsfreiheit geblieben? Also gut vielleicht ist es doch nicht so gut eine religöser Einheitsfanatiker aus dem Mittelalter zu sein. Vielleicht sollte ich ihn, wenn ich auch noch so ein glühender Verfechter der spanischen Einheit wäre nicht gleich auf den Scheiterhaufen werfen und verbrennen. Aber wenn ich nun doch nicht ganz so aufgeklärt bin? In den Kerker, in den Kerker mit ihm bei Wasser und Brot für 30 Jahre und mehr. Es kann gar nicht sein, dass hier ein Mensch die spanische Einheit angreift, das geht nicht oh heilige spanische Einheit, sie muss erhalten werden.

Nun zumindest in Deutschland kommt ein normaler Mörder, der ein Menschenleben zerstört hat nach fünfzehn bis zwanzig Jahren wieder aus dem Gefängnis. Einen Puigdemont will ich jetzt 30 Jahre einsperren, hat er wirklich ein Menschenleben vernichtet? Ist seine Tat gar so grausam? Aber meine heilige spanische Einheit, das darf doch nicht ungesühnt bleiben. Ab in den Kerker für diese schändlich Rebellion! Ach ja wirklich du kleines Teufelchen? Ist seine Tat wirklich so schlimm wie das Auslöschen eines ganzen Menschenlebens?

Ihr seht schon, die Wut des Volkes bricht sich Bahn auf der Sehnsucht nach Rache für ein schändliche Tat. Wird die Tat damit ungeschehen gemacht. Was ist die angemessene Strafe für den Willen die spanische Einheit zu zerstören? Die Befürworter der katalanischen Unabhängigkeit würden wahrscheinlich aus den gleichen Gründen Rajoy für 30 Jahre in das Gefängnis sperren, aber ist das denn vernünftig?

Gehen wir also einfach mal davon aus, dass Carles Puigdemont wirklich schuldig ist. Gehen wir weiterhin davon aus, dass ein Richter ihn auch für schuldig erklärt. Was ist denn ein vernünftiges Strafmaß für seine Tat. KERKER, KERKER; KERKER – hey vernünftig sagte ich.

De facto ist Carles Puigdemont schon bestraft, denn er ist im Exil. Aber für die spanische Gesellschaft ist das keine vernünftige Strafe, denn solche Exilanten sind, solange sie nicht tot sind auch aus dem Exil heraus noch gefährlich. Aber sind wir doch mal ehrlich, so gefährlich sind sie eigentlich auch nicht. Sie bräuchten schon Hilfe aus dem Inland um etwas verändern zu können. Khomeni lebte sehr lange im französischen Exil bevor er den Iran verändern konnte. Das Problem für die spanische Gesellschaft ist nicht der Exilant selbst, sondern die Menschen für die er steht. Der Exilzustand kann keine Lösung des Problems sein. Aber ihn in den Kerker zu stecken ebensowenig, damit schafft der spanische Staat nur Märtyrer und verschiebt das Problem nur umso explosiver.

Also angenommen ich sei ein vernünftiger aufgeklärter Verfechter der spanischen Einheit, was könnte dann eine mögliche Lösung sein. Fallen mir als aufgeklärten Menschen nicht andere Lösungen ein. Gibt das Skalpell der menschlichen Möglichkeiten nicht bessere Instumente her.

Wie wäre es Carles Puigdemont nicht nur Straffreiheit zu versprechen, sondern ihn im Land willkommen zu heissen? Absurd – nein überhaupt nicht, wenn man einen kleinen Wermutstropen beimischt. Der Staat hat durchaus auch noch andere Möglichkeiten. Ausser Kerker besteht bei abweichender vielleicht sogar gefährlicher Meinung auch noch die Möglichkeit ihm die Fähigkeit ein Amt auszuüben abzusprechen. Carles Puigdemont wäre zwar dann wieder im Land und könnte bürgerlich machen und vertreten was er will, aber er dürfte halt nicht katalanischer Präsident sein. Und wenn einem die eine Stimme zu viel ist, die er bei einer Wahl abgibt, dann könnte man ihm noch das Wahlrecht entziehen, aber ganz ehrlich, das wäre eigentlich schon zu viel. Den seine eine Stimme schafft die anderen Menschen nicht ab.

Aber nein, der spanische Staat kapriziert sich auf volle harte Strafe und hat vom aufgeklärten Menschen nichts verstanden. Und wenn Carles Puigdemont tatsächlich nachdem er keine Ämter mehr bekleiden darf, es fertig brächte hundert Prozent der Menschen hinter sich zu bringen, dann hat die spanische Herrschaft keine Berechtigung mehr, dann hätte ich als spanischer Einheitsverfechter halt verloren und kann nur hoffen, dass mich die Gegenseite nicht in den Kerker sperrt.