Kältewelle

Ein Tweet der den Artikel über Obdachlosigkeit bewerben wollte, sagte „Gefühlt minus 12 Grad sind es diese Nacht in Berlin. Aber wie fühlt es sich an,“ und der Artikel selbst ist zu dem „Aber wie fühlt es sich an“ sehr sehr substanzlos.

Wir haben in gewisser Hinsicht eine doppelte Kältewelle. Ja da sind die physikalischen Schwierigkeiten eines Obdachlosen mit dem Kälteeinbruch umzugehen. Und ja das ist lebensgefährlich und sicherlich je älter man wird auch schwieriger.  Ich war im Januar 1985 obdachlos sicherlich auch selbstverschuldet. Ich hatte meine Lehre abgebrochen und mich im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste begeben. Ich kam bis Marokko. Weit weit später habe ich das mal hier „Tanezrouft oder die Kinder Europas „ aufgeschrieben. Aus dieser Zeit stammt auch „Die Kälte“

Selbstverständlich steht meine Obdachlosigkeit nicht im Lebenslauf. Möglicherweise bin ich jetzt auch wahnsinnig, das öffentlich kundzutun. Einerseits ist das 33 Jahre her, andererseits kann ich auch nicht sagen, dass die Zeit spurlos an mir vorüber gegangen ist.  Die Kältewelle, der in den Tageszeitungen dann jeweils gehuldigt wird, liegt aber ganz wo anders. Und vielleicht war der Artikel vom Tagesspiegel einer zu viel in der Lobhudelei auf die Helfer. Zunächst will ich sagen, es gibt den Obdachlosen nicht. Den gibt es genau so wenig wie den Reichen, den Armen oder die Mittelschicht. Die Ähnlichkeiten unter den Obdachlosen entsteht durch die besonderen Lebensverhältnisse, in die man dort geraten ist. Aber jeder Obdachlose hat seine eigene Geschichte und ist letztlich ein einzigartiges manchmal sogar bewundernswerter Mensch. Es gibt die Kriminellen genauso wie die Braven unter den Obdachlosen. Aber selbst die Kriminellen dürften noch bräver sein als die Durchschnittskriminellen, wobei das nicht immer so ist. Die Extremlage verstärkt möglicherweise auch Extreme.

Wenn es in dem Artikel heißt „Knapp 55 Prozent der Obdachlosen würden eine Persönlichkeitsstörung aufweisen.“ dann sagt das mehr über die Gesellschaftsstörung aus.  Möglicherweise sind einige dieser gestörten Persönlichkeiten im Kopf gesünder als manch ein AfD-Wähler. Neulich kam irgendwo in der ARD ein Bericht über Pariser Obdachlose beziehungsweise dort in Paris campierende Asylanten. Darunter war auch ein Mensch, der in Deutschland bereits Asyl gesucht hatte und sogar für die deutsche Behörde in drei Sprachen gedolmetscht hatte und dann vor der deutschen Bürokratie nach Paris geflohen ist und dort jetzt in Paris obdachlos zu sein. Auch das sagt viel über die deutsche Kälte aus. Es war schon 1985 ein Problem zum Sozialamt zu gehen, insbesondere dann wenn man ein junger unvernünftiger Kerl ist. Heutzutage ist das noch tausendmal schlimmer. Ich war damals auf alle Fälle viel zu stolz als ich aus Marokko zurückkehrte. Selbstverständlich war ich auch zu stolz vor der Familie zu kriechen und dort um Hilfe anzusuchen.

Wie sehr dieser Stolz durchaus auch unter vielen Obdachlosen vorhanden ist, merkte ich schnell am Münchner Hauptbahnhof. Obdachlose erkennen sich untereinander ziemlich schnell und aus dem Bettler wird ziemlich schnell ein ratgebender Mensch, wenn er auf einen Neuling trifft. Auf der anderen Seite sind es viele Einzelgänger und wirkliche Freundschaft gibt es dort auch nicht. Es sind dann doch eher Zweckgemeinschaften, die sich spontan bilden und genauso schnell wieder zerfallen. Wären Obdachlose die sozial kompatibelsten Menschen, wären sie wohl kaum obdachlos. Aber es sind Menschen. Manche sind sogar hochintelligent, andere einfach auch strohdumm aber herzensgut. Die einen sind als Gewalttäter obdachlos geworden, die anderen sind obdachlos geworden, weil ihnen Gewalt psychisch oder physisch angetan wurde. Manche haben einen abgrundtiefen Hass auf alles und jeden und manche eine unbändige Sehnsucht nach Liebe. Aber ich glaube keiner erzählt seine vollkommen wahre Geschichte, weil sie sich letztlich nicht erzählen lässt. Das mag bei jedem einzelnen viel zu kompliziert sein, um sie im vorbeigehen der Gesellschaft einem Journalisten oder Soziologen oder sonst wem zu erzählen. Diejenigen die in Obdachlosennotunterkünfte gehen, mögen dabei noch die Gesprächigeren sein. Denn diese haben irgendwo auch ein bisschen kapituliert. So ein bisschen Restwürde und dass das Leben noch selbst bewältigt wird, mag sich hier und da noch einer Erhalten wollen. Manch einer mag tatsächlich zu dumm sein, um sich Hilfe vom Amt zu holen und die Formulare auszufüllen. Andere haben das bereits hinter sich und sind im wahrsten Sinne des Wortes aus dem demütigenden System ausgestiegen.

Wie fühlt es sich also an….. ganz ganz anders als dieser flüchtige Blick des Tagesspiegel und möglicherweise auch für jeden Obdachlosen wieder anders. Eines fühlt sich aber für alle gleich an, die Kältewelle in Deutschland, die auch im Hochsommer bei 36 Grad herrscht. In Deutschland gibt es eine prinzipielle Kältewelle, die im Sommer nie thematisiert wird.

Soviel zur Kältewelle in Deutschland.

Fachkräftemangel

Eierlegende Wollmilchsau

Auslöser für dieses Stellengesuch ist ein Leserbrief eines Unternehmers in der Technolgy Review, der behauptete, dass er keine Manager findet. „Was uns aber fehlt, ist Humankapital in Form von Management-Resourcen.“ schreibt er. „Menschen, die in der Lage sind, Ressourcen so zu organisieren, dass diese einen Nutzen für die Gesellschaft erzeugen.“

Jedem dürfte klar sein, dass die Überschrift falsch ist. Eierlegende Wollmilchsäue gibt es nicht. Es gibt aber Menschen mit Fähigkeiten, die von deutschen Unternehmen keine Chance erhalten. Mir wurde schon mehrmals empfohlen, ich sollte doch auswandern. Das liegt mir aber nicht, ich bin auch aus familiären Gründen ortsgebunden und mein Lebensmittelpunkt liegt derzeit in München und dies sicherlich auch noch die nächsten neun Jahre.

Das Gejammere über den Fachkräftemangel kann ich nicht mehr hören. Zumeist entsteht er doch durch den Auswahlprozess selbst und die deutsche Absicherung der hundertprozentigen Sicherheit. Lieber wird eine Stelle gar nicht besetzt, als einem Wackelkandidaten eine Chance zu geben. Wackelkandidaten erhalten dort eine Chance, wo es keinen Brief und kein Zertifikat dazu gibt. Der Fachkräftemangel entsteht sicherlich auch dort, wo etwas überreguliert ist. Aber nicht alle Bereiche sind dermaßen reguliert. Der Mangel an Busfahrer zum Beispiel hat seine Ursachen in drei Dingen: die Ausbildung, die Bezahlung und die gesetzlichen Regelungen. Letzteres lässt sich nicht ändern und aufgrund letzterem könnte ich aufgrund eines Augenfehlers auch nie Busfahrer werden. Ersteres ist aber Sache der Unternehmen. Hierbei gibt es aber auch merkwürdige Entwicklungen.

Vielleicht könnte ich heute auch eine Callcenterfachkraft sein. Anfang der 90er Jahre konnte ich live erleben wie eine Musikstudentin mir vor die Nase gesetzt wurde, die keine Ahnung von dem Beruf hatte. Es gab aber auch keine Ausbildung dafür und im Gegensatz zu mir, hatte sie einen Brief des abgeschlossenen Studiums. Ich bin der Wackelkandidat ohne Brief und Diplom. Mit mir gibt es keine verbriefte hundertprozentige Sicherheit. Interessant auch als ich im First- und Secondlevel als Externer bei großen Konzernen arbeitete. Der Ingenieur eines Großkonzerns fragte mich, wie wir den Rollout denn immer wieder hinbekommen. Meine Antwort war „Wir haben halt gute Leute.“ Das ich keinen Ingenieurstitel habe und das ich noch nicht einmal Abitur habe, verschwieg ich ihm selbstverständlich. Ich war froh, dass ich bei dem Dienstleister eine Chance bekommen hatte. Dass jener Dienstleister letztlich Leute bekam, lag sicherlich daran, dass er eben nicht auf den Brief schaute, sondern auch Leuten ohne Brief eine Chance gab. Der Dienstleister wurde geschluckt und gehört heute zu einem Konzern und oh Wunder, er beschwert sich über Fachkräftemangel.

Ich bin eine Fachkraft aus Erfahrung. Definitiv kann ich diverse Sachen nicht. Zum Beispiel kann ich einfach nicht Scheiße als Gold verkaufen. In der Kundenaquise bin ich demzufolge auch schlecht, denn jeder möchte sein Produkt besser darstellen als es ist. Nutella ist aber eben nur eine Hasselnusscreme und manchmal ist es sogar mit dem schlechtdesigneten Glasinhalt beim Billigdiscounter chemisch identisch. So mag ich zwar begreifen und verstehen, dass der Markenaufwand bezahlt werden muss, kann es aber selber nicht. Verkäufer müssen für ihr Produkt brennen und ich brenne noch nicht einmal für mich selbst. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass Schaumschläger in Deutschland einfach die bessere Karriere hinlegen. Das bedeutet nicht, dass es keine Fachkräfte gäbe, es bedeutet nur, dass ein gewisser Menschentyp bevorzugt wird. Hierbei macht es aber bereits einen Unterschied, ob ich die Kundenaquise organisieren muss und zum Beispiel den Verkäufer einstelle oder selbst verkaufe. Resourcen zu organisieren bedeutet nicht, dass ich alles könnte. Es bedeutet von Allem eine Ahnung zu haben und zu wissen, wie ein Loch zu stopfen ist und wo etwas fehlt. Im Zweifel bedeutet es leider auch mit der eigenen Unfähigkeit Löcher zu stopfen, wohl wissend, dass es Menschen gäbe, die diese Aufgabe besser erfüllen könnten. Wenn ich aber keinen diplomatischen Kontakter und Netzwerker habe, dann ist es halt mehr schlecht als Recht meine eigene Aufgabe. Wenn ich keinen Pressesprecher habe, dann muss die Pressemeldung halt selbst geschrieben werden. Wenn ich keinen Dispatcher oder Booker habe, dann muss es halt auch ohne gehen. Wenn kein Programmierer zur Hand ist, dann schreibt ich schon mal etwas selbst, wohl wissend, dass dieser Schrott den Namen Algorithmus nicht verdient oder noch schlimmer setze eine Weboberfläche auf, bei dem jeder Grafiker erbrechen würde. Und wenn die Veranstaltung so gar nicht Plan laufen will, dann wird alles über den Haufen geworfen und mit den vorhanden Resourcen im Chaosmanagement es irgendwie über die Bühne gezogen. Der eine Musiker, der es mitbekommen hat, weil er mir den Pausennotnagel machte, sagte hinterher „coole Socke“, aber ohne ihn wäre ich vollkommen abgekakt. Andererseits mache ich solche Dinge ohne Geld und ohne Bezahlung, denn in der Wirtschaft finde ich mit diesen Fähigkeiten keinen Job.

Ich finde einen Job noch nicht einmal dann, wenn meine Fähigkeiten bekannt sind und die später für eine Veranstaltung Angestellten mich um Hilfe fragen. Drei Angestellte einer nachfolgenden Organisation mit vollem Gehalt liehen sich bei mir Resourcen aus, weil sie selbst es nicht gebacken bekamen In jenem Jahr ging mir auf, das mich noch nicht einmal drei Angestellte ersetzen können. Diese drei Angestellten haben ein Budget von über 200.000 Euro verbraten, für eine Veranstaltung, die ich 4 Monate vorher mit 6000 Euro organisiert habe. Selbst wenn ich mir ein Gehalt von 100.000 Euro hätte zahlen können, was ich nicht kann, selbst dann wäre ich nur bei einem Budget von 106.000 Euro gelandet. Aber selbst wenn ich mir noch 3 Angestellte a 30.000 genommen hätte, wäre ich nicht da gelandet. Aber ich bin keine Fachkraft, ich habe keinen Schein und eine Chance erhalte ich sowieso nicht. Wir haben einen Fachkräftemangel.

 

 

 

Missbrauch

Jeder Missbrauch ist abzulehnen. Es verbietet sich auch den Missbrauch eines Menschen zu vergleichen. Jedoch ist Schweigen ebenso wenig eine adäquate Ausdrucksweise. Die Sachlage ist heikel. Es ist kompliziert. Sobald der Missbrauch des Menschen männliches Geschlechtes zu Sprache kommt, wird es immer gleich als Angriff auf den Missbrauch der Menschen weiblichen Geschlechtes verstanden. Es wird unterstellt, dass damit ein anderer Missbrauch verharmlost würde. Damit ist die Diskussion sehr schnell eingestellt und es wird nur jener Missbrauch des Mannes behandelt, der analog oder ähnlich der Vergewaltigung oder des Missbrauchs von Frauen ist. Diese Form des Missbrauch des Mannes mag aber eher die Ausnahme sein, wenn auch das stattfindet. Männer die wie Frauen, von Frauen geschlagen und missbraucht werden, sind sicherlich seltener anzutreffen. Auch diese Männer bedürfen ebenso wie die Frauen den entsprechenden Schutz. Um diesen Missbrauch soll es in diesem Artikel nicht gehen.

Wir missbrauchen Menschen. Die Form des Missbrauchs, der überwiegend dem Mann wiederfährt und weniger der Frau, aber auch hier – wie oben schon erwähnt, es Männer gibt, die in der Form des sexuellen und körperlichen Missbrauchs von Männern an Frauen von Frauen missbraucht werden – aber auch hier ist nicht auszuschliessen, dass auch Frauen missbraucht werden, aber typischerweise betrifft diese Art des Missbrauchs eher den Mann und häufiger auch Kinder im Allgemeinen.

Der missbrauchte Mensch mag dabei selbst auch zum Täter werden, deswegen ist hier auch die Täter und Opfersitiuation nicht so eindeutig wie bei einem weiblichen sexuellen Vergewaltigungsopfer. Um so schwieriger gestalltet sich der gesellschaftliche Diskurs darüber. Ich vermute, er findet gar nicht statt. Probleme verschwinden aber nicht dadurch, dass nicht darüber geredet wird. Sie sind wie eine Entzündung, die nicht sichtbar ist. Vielleicht sind die Probleme auch wie eine HIV-Infektion, die nicht ausgebrochen ist. Ständig virulent unter der gesellschaftlichen Wahrnehmung und unbehandelt.

Warum wir über diesen Missbrauch der Männer reden müssen und ihn thematisieren müssen? Weil die missbrauchten nicht gar selten auch zu Tätern werden mit teilweise fatalen Auswirkungen für die Gesellschaft. Und bevor ich weiter im nebulösen bleibe, werde ich mit einem Opfer anfangen, welches zu einem Täter wurde, der die Konsequenzen eines solchen Missbrauchs schon deutlich macht, sobald ich seinen Namen hingeschrieben habe. Doch bevor ich seinen Namen hinschreibe, will ich ein wenig darstellen, wie ein solcher Missbrauch ausschaut.

Es beginnt in der Regel durch die Mutter. Vom Klischee her könnte unser Opfer heute auch Muslim sein, jedoch beginnt seine Geschichte im kleinbäuerlichen Umfeld. Jedoch wie eine solche mütterliche Vergötterung ausschaut, kann auch heute beobachtet werden, wenn jede Frau im Sinne der Mutter gar als Schlampe dem Sohn gegenüber dargestellt wird, und solche Mütter möglicherweise sogar eine Vergewaltigung ihres Sohnes der Frau anlasten, die der Sohn vergewaltigt hat. Die Kontrolle über das Objekt der mütterlichen Liebe, hat hierbei nicht wirklich etwas mit Liebe zu tun, die zu einer Freiheit erzieht, es ist mehr der Missbrauch des Kindes zur Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und Ängste. Ein solcher Missbrauch wird auch nicht als Missbrauch angesehen. Selbst wenn der Sohn später zum Mörder wird, wird der Mutter möglicherweise bescheinigt, dass sie daran vollkommen unschuldig ist. Der psychologische Missbrauch des Kindes, welcher dabei stattfindet, ist auch schwierig als solcher zu erkennen. Manchmal ist die Täterin hierbei auch gleichzeitig Opfer ihres Ehemannes, der gleichzeitig ebenso eine solche Mutter hat. Die Schwiegermutter steht also in der gleichen Tradition des Missbrauches wie die Mutter selbst. Wie ich anfangs ja schon schrieb, ist die Täteropfersituation hier eben nicht so eindeutig wie bei einer sexuellen Vergewaltigungsopfer. Und niemand betrachtet die Vergötterung als Missbrauch, denn im Gegenteil sind wir uns alle darüber bewusst, dass Liebe und Anerkennung an sich ja etwas gutes sind. Deswegen gilt diese Form des Missbrauchs des überwiegend männlichen Kindes auch nicht als solcher.

Unser Opfer, dessen Namen ich nachher nennen werde, wurde auch noch von seinem Vater geschlagen. Dies muss aber nicht der Fall sein. Viele dieser männlichen Opfer erfahren möglicherweise gar keine körperliche Gewalt von ihren Vätern. Was aber wohl allen gemein sein dürfte, dass sie auch Werkzeug im Machtspielen sind. Das Kind ist hier auch Mittel. Welche Schäden hier durch den weiblichen Missbrauch in der Kinderseele angerichtet werden, vermag ich nicht zu vermessen. Manch eine Mutter mag da gute Kämpfer erzogen haben und sind dann stolze Soldatenmütter eines Gefallenen, womit dann die Vergötterung des Kindes komplett ist. Als Trägerin des Heldenkultes wird der Mann dann noch über den Tod hinaus missbraucht. Hierbei gibt es sogar die italienische Mafiamama, die ihrem Enkel den Mord in die Kinderseele pflanzt, eine besonders perfide Missbrauchssituation.

Ich will nicht behaupten, dass nur Frauen diese Form des Missbrauchs begehen. Es ist durchaus auch möglich, dass Männer sich so an Menschen vergehen, jedoch denke ich, dass das eher die Ausnahme ist. Wenn Männer das tun, dann vermutlich aus den selben Gründen, weil sie ursprünglich die Schwächeren sind. In gewisser Hinsicht ist es eine Gewalt der ursprünglich Schwachen.

Bevor unser Opfer zu einem Täter wurde, hatte der Missbrauch aber nicht sein Ende. Es hängt ein wenig auch mit unser auch heute noch geltenden Einstellung zusammen. Männer dürfen nicht nur nicht schwach sein, sie dürfen auch keinesfalls nicht erwerbstätig sein. Das vorherrschende Bild unserer Gesellschaft ist das eines tätigen und erfolgreichen Mannes. Männer sind auch als SGBII-Empfänger zum Erfolg verdammt. Wenn ein Ehepaar arbeitslos ist, dann erhält der Mann mehr Jobangebote und mehr Einbestellungen in das Jobcenter als die Frau auch wenn keine Kinder da sind. Vermutlich würden identische Lebensläufe eines Mannes als weiblicher Lebenslauf ausgegeben nie mit dem Beleg Versager oder Drückeberger oder sonst was versehen und in der Zeit unseres Opfers, wäre der mangelnde Schulabschluss bei einer Frau wahrscheinlich noch nicht einmal erwähnenswert. Im Gegenteil, es dürfte zu seiner Zeit normal gewesen sein, dass Frauen eher dem musischen zustrebten und die Ausbildung wurde ihnen eher verwehrt. Männer stehen Zeit ihres Lebens diesbezüglich unter Druck. Der Druck wird sicherlich auch durch den Heiratsmarkt eröffnet. Wir sind da ein bisschen primitiv trotz aller Emanzipation. Unser Opfer heiratete allerdings nicht. Sein Versagen allerdings und seine Ablehnungen durch die Gesellschaft, ersetzte er durch Allmachtsphantasien in dieser jungen Zeit. Der junge Mann wurde auch durch diverse Verschwörungstheorien geimpft und ließ sich auch durch die Musik Richard Wagners verführen. Der Missbrauchte rächte sich später fürchterlich. Seine Name ist Adolf Hitler.

Austritt aus der Piratenpartei

Nein, ich trete nicht aus und bin auch nicht ausgetreten. Der Titel ist so gewählt, weil Suchmaschinen, die gesamten Austrittsposts finden. Der letzte, den ich gelesen habe, ist ein Stadtrat in Bielefeld 

Tja leider hat er 2011 übersehen, warum sich die Piraten gegründet haben. Progressiv alleine ist zu wenig und war nicht der Gründungsmoment. Der Name Piraten kam ja nicht von ungefähr. Was das Gründungsmoment anbelangt, haben wir unsere Themen mitnichten erreicht und dem Namen noch keine Ehre gemacht. Es sind mehr Mitglieder als Anfang 2009 als die Partei nur 0,9% hatte und auch damals war es eine Partei. Und klar als hier in München nur 5 Mitglieder waren, war es dennoch eine Partei. Da sind 8 Mitglieder in Bielefeld doch schon viel. Und ja, wir haben viele Karteileichen, aber was ist mit den sagen wir mal 300 Aktiven in Deutschland oder sind es gar mehr? Die Piraten sind nicht tot, sie sind bekämpft und niedergerungen und stecken in einer schweren Krise. Gerade jetzt könnten sie jeden gebrauchen, der der Idee wieder auf die Beine hilft. In guten Zeiten an Bord zu sein, das ist nicht schwer. Kurz vor dem Untergang an Bord zu bleiben und sich gegen einen übermächtigen Gegner mit Zähnen und Klauen zu verteitigen und vielleicht den Untergang vor Augen trotzdem weiter zu kämpfen, da zeigt sich wahre Loyalität der Idee gegenüber. Und wenn man dann sehenden Auges untergeht, dann kann man immer noch sagen, man hat alles gegeben und versucht. Zumindest ist man aufrecht untergegangen und nicht feige davon gelaufen. Die Ziele von 2006 gelten immer noch.

Ich habe in der Zwischenzeit viele Austrittsposts gelesen. Und manche Bilanzen wie der von Validom sind durchaus interessant und erzählen sehr viel über Piraten und deren Geschichte. Ich kenne solche Austrittsposts bereits aus dem Jahr 2010 zum Beispiel von Aaron König dessen http://aaron-koenig.blogspot.de/2010/05/viel-gluck-piraten.html Artikel auch auf archive.org nicht mehr zu finden ist. Wenn es danach geht sind die Piraten schon seit ihrer Gründung 2006 dem Untergang geweiht. Auch die Umbenennungsforderung besteht schon seit Gründung der Partei. Und so manch einer ist deswegen den Piraten gar nicht beigetreten, obwohl er die Ziele von 2006 vielleicht Klasse fand, aber den Namen einfach nicht mittragen konnte. Letztlich denke ich mir, dass das gut so ist. Wer keine Toleranz gegenüber den Namen Piraten hat und nicht versteht, warum die Piratenpartei Piratenpartei heißt, ist bei den Piraten letztlich falsch. Die Gründungshistorie über das Piratenbüro und dem Angriff der Contentverwertungsindustrie jene Menschen, die Ideen und Gedanken teilen wollen als Piraten zu bezeichnen, diese Gründungshistorie ist wichtig. Die Anflüge für die Piraten gibt es bereits in den 1990er Jahren des letzten Jahrtausends. Freedom for Links ist so eine Initiative von Netizens, die sich in ihrer Freiheit beraubt sahen und tatsächlich in ihrer Freiheit beraubt werden.

Es geht dabei nicht darum, die Meinung des anderen sich zu eigen zu machen. Es geht darum sich über alle Meinungen austauschen zu können. Das möglicherweise über Landes- und Staatsgrenzen hinweg. Die Sprachbarrieren und Kulturbarrieren sind schon schwierig genug. Wir brauchen in diesem Netz nicht noch zusätzlich technische Hürden. Das sind nur Daten. Das heißt nicht, dass man dem Kriminellen nicht engegentreten könnte, dass läuft dann unter dem Credo „Löschen statt Sperren.“ aber es ist dann leider auch in Kauf zu nehmen, dass die US-amerikanische Kultur etwas nicht löscht, was die deutsche Gesetzgebung nicht zulassen würde. Wenn ein Hamburger Landgericht dann ein Verbot eines Linksetzung dorthin verbietet, dann ist das ignorant und dumm. Doch wir sind schon längst im Staat dieser Ignoranz angekommen und das Netz hat seine Freiheit verloren. Der Austausch über Ländergrenzen hinweg wird von Tag zu Tag schwieriger. Ich kann zwar über einen US-Proxy mein Familienwappen im Sieber sehen, aber nicht über das deutsche Google. Eigentlich sollte ich das deutsche Google vor einem US-amerikanischen Gericht mit einer Millionenklage überziehen aufgrund solcher Filter. Das kann ich mir aber nicht wirklich leisten und irgendwie ist das freie Netz eh schon tot. Aber nachdem nun das freie Netz hingerichtet worden ist, kommt jetzt noch die Überwachung hinzu. Das Tracking ist allgegenwärtig und stimmst du dem Tracken wie bei FAZ oder Spiegel nicht zu, dann wird dir der Inhalt verweigert. Aber nur dem normalen Nutzer, der von Technik keine Ahnung hat. Gibst du dich technisch als Suchmaschine aus, dann bekommst du selbstverständlich die Inhalte zu sehen. Das ist nur eine Frage des HTTP-Headers. Die Beschränkungen gelten also für normale Menschen. Und ja, wer kriminell ist, dem haben alle gesetzlichen Massnahmen keine Grenzen gesetzt. Es ist alles aber auch wirklich alles immer noch im Netz. Jedoch dürfen kriminelle Spammer in der Zwischenzeit vollkommen anonym sein, wohingegen der normale deutsche Bürger, der irgendwo seine Meinung sagen will, mit Namen und Adresse samt Kontaktmöglichkeit im Netz stehen muss. Er erhält dafür von Spammern mehr trojanische Pferde zum Ausgleich zugesandt und wenn er zu blöd ist, dann verbreitet er den Virus auch noch. Das hat die deutsche Politik so gewohlt und fördert dies noch. Letztlich, weil die Herrschaften in Berlin nichts aber auch gar nichts vom Internet verstanden haben, fördern sie die Kriminalität und behindern den normalen Bürger.

Hat sich daran was geändert seit 2006? Nein gar nichts! Es ist schlimmer und schlimmer geworden und wird von Tag zu Tag schlimmer.

Die Piraten haben sich deswegen gegründet. Die Piraten werden zwar nicht mehr gewählt. Ist es ein Grund deswegen für unsere Ziele nicht mehr zu kämpfen?

Ich meine NEIN! Und deswegen bin ich nicht aus den Piraten ausgetreten und deswegen bin ich immer noch Mitglied bei den Piraten und genau deswegen werde ich gerade jetzt wo wir eine Nullkommapartei sind nicht austreten.

ARRRR – WE ARE FROM THE INTERNET

 

 

We are from the internet!

„Darum ärgere ich mich so, dass wir Piraten es verkakt haben“ sagte Michele Marsching auf dem piratigen Aschermittwoch in Straubing 2018. Der Satz trifft es. Ja, wir haben es verkakt aus vielerlei Gründen, aber unabhängig davon nicht aufgrund von mangelndem Fachwissen oder Unfähigkeit als solches. Wohl eher aus dem Grund, weil Nerds nicht die sozialsten Protagonisten sind. Sicherlich hätten wir die AfD der deutschen Politik werden können, aber dann wären wir halt nicht mehr die Piraten gewesen. Leute wie Peter Böhringer, der jetzt Vorsitzender im Haushaltsausschuss ist und einen unsäglichen Vortrag über ESM bei den Piraten als „angeblicher Pirat“ gehalten hat, hätten dann die Partei übernommen. Eigentlich bin ich stolz auf die Piratenpartei, dass sie die Übernahmen von links und rechts des Parteienspektrums überlebt hat.

Hätten sich statt Patrick Breyer inkompetente Leute wie Peter Böhringer durchgesetzt, dann hätte man die Flucht ergreifen müssen, so aber hat der Kern der Partei überlebt. We are from the internet!

Ja wir sind kläglich gescheitert und von den Aufbrüchen der Bordkapelle sind die Ziele, den Bundestag zu entern nie erreicht worden. Über 10 Jahre harte Arbeit um dann als Nullkommapartei im Aus zu landen. An der Leistung und der Arbeit der Piraten lag das nicht unbedingt. In allen Parlamenten in denen die Piraten vertreten waren, haben sie gute Arbeit geleistet. Die Lübecker Nachrichten stellte den Piraten sogar das Zeugnis aus, die fleissigste Partei zu sein. Die Personen, die die Piraten hervorgebracht haben, wurden von anderen Parteien gerne übernommen. Manche sitzen für die FDP, manche für die Linke in den Parlamenten. Die schlechtesten und gruseligsten, die bei den Piraten Politik gelernt haben, jetzt für die AfD. Den Müll, den wir losgeworden sind, den hat der Wähler dann in die Parlamente gewählt. Ich weiß, man darf Menschen nicht als Müll bezeichnen, aber ich meine das nur inhaltlich. Denn was manche dieser Protagonisten vertreten haben, die jetzt bei der AfD sind, ist sachlich und fachlich einfach Müll und teilweise sogar menschenverachtend und widerwärtig. Da wir eine Mitmachpartei gewesen sind, bei der auf Grund unserer liberalen Haltung wirklich jeder mitmachen konnte, hatten wir diese Abgründe eine zeitlang auch bei uns. Das Spannende daran ist, dass jene gegen die Mehrheit der Piraten, letztlich auf die Schnauze flogen und das Weite suchten.

Das traurige allerdings ist auch, dass Menschenhetze und unfachliches Gebrabbel, beim Wähler mehr Anklang findet. Mit dem Weggang der lautesten Schreihälse ging auch der Stimmenanteil zurück. Die Abwehrschlacht gegen rechts verlief noch leichter als die Abwehrschlacht gegen links. Linke sind die geschickteren Intriganten und bilden stabilere Seilschaften. Doch letzten Endes konnten auch sie die Partei nicht entern. Es blieb ein harter Kern Idealisten übrig, die sich auch mit dem Schicksal einer 0,7-Prozentpartei anfreunden konnten, die sich noch nicht mal von den organisatorischen und personellen schlechten Traditionen in der Partei abschrecken ließen.

Ich muss gestehen, ich bin ein uralter Netizen. Einige Netzbewohner sind mir bekannt aus der Zeit als der Pegasus von der Zeit veranstaltet wurde, wir uns für Stefan Münz und Freedom for Links einsetzten. Den Begriff Piraten gab es damals nicht. Wir waren Überzeugungstäter. Wir träumten von einem freien Netz. Ohne Grenzen und wir als Menschheit können uns frei austauschen. Als das Netz größer und größer wurde, sowohl an Anzahl der Teilnehmer als auch physikalisch, verlor ich manche Protagonisten aus den Augen. Letztlich überrachte es mich dann aber doch nicht, als ich einige der damaligen Protagonisten bei den Piraten wiederfand. Wir waren unabhängig voneinander dort gelandet, egal aus welcher Partei wir vorher kamen. We are from the Internet!

Einige sind nach den Problemen auch wieder aus der Partei ausgetreten, denn diesen politischen Sumpf, denn politische Kandidaturen manchmal hervorbringen, denn will sich manch einer nicht mehr antun. Themen statt Köpfe hat halt nicht funktioniert, weil das System selbst Köpfe vorsieht. Die Presse stürzt sich auf den Bundesvorstand und nicht die Partei als Ganzes. Auch der jeweilige Spitzenkandidat ist eben auch ein Kopf. Wir haben lernen müssen, dass Themen statt Köpfe nicht funktioniert. Auch haben wir lernen müssen, dass nicht derjenige der Ideen hat, dafür belohnt wird. Fleiß und harte Arbeit von der Gesellschaft weder pekuniär noch sonst irgendwie gewürdigt wird, und schon gar nicht mit Wählerstimmen belohnt wird.

Das bedeutet nicht, dass wir gänzlich erfolglos gewesen wären. Im Gegenteil wenn die Bundesregierung plötzlich der EU fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr als Pseudotablette anbietet, dann mag das auch auf unser Wirken zurückgehen. Zwar haben sie unsere Gedanken nicht begriffen, sondern einfach nur kopiert, weil es ihnen in den Kram passt und nennen es kostenlos, was wir teilweise 2006 auch getan haben, um es dann in jahrelanger Arbeit zu verbessern und es eben fahrscheinlos zu nennen, weil es dem, was wir meinen. besser entspricht. Das Erschreckende ist eigentlich wie konzeptlos die Bundesregierung diesbezüglich jetzt ist. Kopieren alleine langt halt nicht aus, die Idee muss auch verstanden worden sein. Die Ideenwelt, die bei den Piraten da dahinter steht ist: We are from the Internet!

Wir hatten die Idee einer besseren Welt. Diese Idee einer besseren Welt wurde uns geklaut. Sie wurde von Konzernen und Politik teilweise vernichtet. Und so fanden wir uns als Gegenbewegung plötzlich in einer Partei wieder. Wir wurden als Piraten beschimpft, weil die Rechteverwalter, die mit anderer Leute Ideen Geld verdienen, unser Teilen und Austauschen als piratig bezeichneten. Sie bezichtigten uns des Diebstahls. Doch wurde da gar nichts gestohlen. Jeder von uns erkennt die Leistung eines Tim Berners Lee oder eines Linus Torvald an. Im Gegenteil es sind unsere Helden. Ohne diese Menschen gäbe es weder Google noch gäbe es Amazon. Wir haben hier gar nichts gestohlen. Die Kultur des Open Source und die Kultur des Teilens hat hier wesentlich mehr gegeben. Aber schon das Teilen von Informationen wurde durch das Hamburger Landgericht als skeptisch betrachtet. Darüber hinaus bestimmt heutzutage nicht der Produzent oder Autor darüber, wo sein Werk zu sehen ist, sondern der Rechteinhaber. Da aber eine Produktion vorfinanziert werden muss, sobald sie größer ist, werden Rechte verkauft. Somit haben wir heute Ländergrenzen im Netz. Anhand der IP-Adresse wird dann bestimmt, ob man ARD oder ZDF schauen darf. Das freie Netz ist tot.

Nun „We are from the Internet!“ und die ersten sind bereits bei IPFS gelandet, die dort sich wieder so frei bewegen, wie zu Anfang des Internets, aber mit den gleichen Problemen, da nicht alles immer zu finden ist. Solche Bestrebungen werden natürlich mit Netzfiltern bereits bekämpft. Freiheit ist etwas, was den Mächtigen wohl suspekt ist. Wer Pirat ist, egal ob das früher so hiess oder nicht, wer ein solcher Pirat ist, wird aber seine Freiheit haben wollen. Im Sinne des Geistes der Aufklärung bemühen sich Piraten um die Entwicklung von Wissenschaft und Bildung als Basis eines technischen, kulturellen und politischen Fortschritts und begründen ihre Auffassung, der freie Bürger könne, eigenständig denkend, nur an Verfassung und Recht gebunden, sein Leben selbst bestimmen. In diesem Sinne wehren wir uns auch immer wieder gegen Menschenrechtsverletzungen und kämpfen für freie Gedanken. Da diese Freiheit auch die des Andersdenkenden mit einschliesst, wurden wir von linken und rechten Kräften zeitweise geentert.

Ich weiß nicht, ob und wie wir uns davon erholen können, aber ich weiß „Wir werden nicht wieder verschwinden!“ selbst wenn wir nicht mehr Piraten heissen, wir sind immer noch da. Wir sind in die Politik aus Notwehr gegangen und diese Notwehr ist dringender denn je. Tagtäglich wird die Freiheit immer mehr bedroht. Wir dürfen nicht aufhören zu kämpfen, sonst morden sie uns morgen.

We are from the Internet!

 

Koalitionsvertrag

Ich werde jetzt hier nicht diese substanzlosen 177 Seiten des Koalitionsvertrag analysieren. Das dürfen gerne andere tun. Substanzlos ist er für mich deshalb, weil er außer einer wohlgeschliffenen Sprache, die sich scheinbar um Politik kümmern will, nichts zu bieten hat, außer einem hilflosen weiter so.  Er geht einfach an den tatsächlichen Problemen vorbei. Nichts darin ist neu. Gar nichts darin ist ein Aufbruch. Er hat keine Dynamik. Zusammenhalt ist darin nicht zu finden. Es ist ein kaputtes Gewäsch eines reformbedürfigen kaputten Systems.

Warum ich es nicht analysieren und darstellen will, hängt damit zusammen, dass ich wahrscheinlich 1000 Seiten schreiben müsste um jeden einzelnen Punkt zu zerlegen, aber ein Beispiel kann ich ruhig geben. Im Koalitionsvertrag steht der schöne Satz: „Wir unterstützen Familien: Erhöhung Kindergeld um 25 Euro pro Monat und Kind und entsprechende Anpassung Kinderfreibetrag.“ und das schlimme an dem Satz ist, dass er keines aber auch keines der Probleme löst. Er ist eine Placebopolitik, die am Kern des wirklichen Problems vorbei geht und mitnichten irgendein Problem löst. In den tatsächlichen Verhältnissen wie sie in der Republik existieren, ist es faktisch nur ein Verschiebeposten in der Bilanz von einem Buchhaltungskonto auf ein anderes Buchhaltungskonto und verbessert nichts. Er klingt aber schön.  Familien müssten zwar unterstützt werden, aber diese 25 Euro wird ein Großteil der Familien gar nicht erreichen. Die über 20 Prozent der in Armut lebenden Kinder schon gleich gar nicht. Dazu muss man wissen, das ein Teil der Kinder, soweit sie nicht Kinder von Beamteneltern sind, von staatlichen Ersatzleistungen abhängen, bei denen das Kindergeld als Einkommen angerechnet wird. Die 25 Euro Erhöhung des Kindergeldes vermindern im selben Moment die Ausgaben an anderer Stelle des Bundeshaushaltes oder aber der Kommunen. Es ist also nur eine Umbuchung im Staatshaushalt und wird den Familien, die es am dringensten nötig haben und bei denen 25 Euro sogar noch viel Wert wären gar nicht erreichen. Bei reicheren Haushalten ist es nur eine Umbuchung der Steuereinnahmen auf das Kindergeldkonto. Eine Unterstützung der Familien ist es auch in diesen Fällen nicht. Eigentlich eine Luftnummer in einem komplexen reformbedürftigen System. Und so wie dieses Beispiel sind viele Sätze in diesem Koalitionsvertrag angelegt. Es sind wohlgemeinte Aussagen, die in einem möglicherweise noch komplexeren System enden, wenn sie umgesetzt werden, aber die wirklichen Probleme nicht lösen. Faule Kompromisse, die das Gute zu wollen scheinen, aber das Gesamtsystem noch schlimmer machen.

Ich glaube diesen Sätzen nicht. Sie sind ein politisches Gelaber, was ich mir jetzt 40 Jahre lang bereits anhöre, aber effektiv keine Konsequenzen nach sich zogen. Das Wort Bürokratieabbau löst demnächst wahrscheinlich bei mir Brechreiz aus. Nicht weil ein Bürokratieabbau nicht notwendig wäre, sondern weil alle Umsetzungen diesbezüglich in den letzten fünfzig Jahren die Bürokratie erhöht statt vermindert haben. Mein Vater hatte um 1969/70 rum eine Baufirma gegründet und konnte damals noch Häuser entwerfen und von einem Statiker absegnen lassen. Dann kam der Architektenzwang, Meisterzwang und was weiß ich noch alles über die Jahre hinweg. Nicht von ungefähr forderte er bereits in den Wahlkämpfen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts Bürokratieabbau. Nur im Verhältnis zu heute war vor 40 Jahren die Bürokratie noch gering. Da drauf gesattelt kommt ja noch das ganze europäische Ausschreibungsrecht und hast du nicht gesehen. Nicht zu vergessen die ganzen Geschichten um Basel II auf der Finanzierungsseite, man müsste wahnsinnig sein unter diesen Umständen heute eine Baufirma zu gründen, wie es mein Vater damals tat. Mein Vater war ein Macher und auch ein Gründer und mit der Wende und dem Fall der Mauer hat er sich in den Aufbau Ost gestürzt. Aber seine Beschwerden über dieses Land wurden von Jahr zu Jahr schlimmer. Letztlich zog er irgendwann die Konsequenzen und wanderte aus. Seine Standardaussage in den letzten Lebensjahren war, wenn wir mal telefonierten „Vergiß Deutschland.“ und die andere Aussage war „Was machst du eigentlich noch in Deutschland?“. Seine Analyse um die Jahrtausendwende war, dass die Reformen verpasst wurden, weil wir den Sonderaufschwung Ost hatten und deswegen es uns leisten konnten, keine Reformen durchzuführen.

Statt einer Reform kam dann die Abschaffung des Sozialstaats unter Schröder. Hierbei haben wir ein recht einfaches System durch ein kontrollwütiges komplexes System ersetzt, welches sogar mehr kostet als das alte System. Welches im übrigen auch dazu führt, dass das Kindergeld bei armen Kindern nicht ankommt. Im Arbeitslosenhilfesystem hätte es das Kindergeld zusätzlich zur Arbeitslosenhilfe gegeben. In dem Schröder/Hartz-System wird das Kindergeld damit verrechnet. Warum das System nicht billiger geworden ist, hängt einfach damit zusammen, dass wenn ein Arbeitsloser 1600 Euro Arbeitslosenhilfe bekam und davon die Wohnung bezahlte und die Kinder ernährte jetzt im HartzIV-System dieselbe Summe ausgezahlt werden muss, allerdings nicht mehr an eine Person sondern an den gleichen Haushalt als Bedarfsgemeinschaft, mit einem weit höheren Verwaltungsaufwand und einem weit höheren Kostenaufwand. Letztlich erhält der Bedürftige tatsächlich weniger Geld, aber die Kosten für den Staat sind sogar höher. Das System ist also sogar noch ineffizienter geworden als es vorher schon war. Und genau diese Weiterwurschtelei besiegelt der Koaltionsvertrag von 2018. Ja er wird die Situation nochmal verschlimmern. Die Bürokratie wird sich ähnlich wie schon 2009 mit der FDP nochmal erhöhen. Glücklicherweise musste mein Vater nicht mehr erleben, wie die FDP direkt nach der Wahl die Hotelmehrwertlobbyistensteuer einführte und die Komplexität nochmal erhöhte.

Alle Altparteien versprechen seit ca. fünfzig Jahren das gleiche und bewirken seit ca. fünfzig Jahren mit jeder Regierung das exakte Gegenteil. Die AfD verdankt diesem kaputten System ihren Aufstieg. Wenn Seehofer sich dann hinstellt und sagt „Wir haben verstanden.“ dann hat der Kerle nichts aber auch gar nichts verstanden. Nicht die Flüchtlinge sind unser Problem. Nicht die Terroristen sind unser Problem. Das sind Nebelkerzen. Tatsächlich ist die AfD ja gerade dort am stärksten wo es so gut wie gar keine Ausländer gibt, aber es massig Strukturprobleme gibt. Die alte BRD in den 1970er Jahren hatte sich noch um strukturellen Ausgleich bemüht. Und sei es Filmfesttage in einer Grenzstadt wie Hof anzusiedeln. Wirtschaftliche Aktivitäten beschränkten sich nicht auf die Zentren, denen es eh schon gut ging. Achja und Flüchtlinge wurden nicht nach Bevölkerungsschlüssel verteilt, sodaß die dichtest besiedelten Regionen die meisten Flüchtlinge abbekamen, sondern es war umgekehrt. Ich musste damals einen DDR-Flüchtling in den bayerischen Wald fahren, obwohl er damals bereits in München war. Heutzutage teilen wir Flüchtlinge nach Einwohnerschlüssel zu und die Stadt München bekommt dann Flüchtlinge zugeteilt, obwohl sie eh schon ein Wohnungsproblem hat. Ein politischer Irrwitz und eine komplette Fehlentscheidung in doppelter Hinsicht. Gerade in wirtschaftliche schwachen Regionen wären die Gelder wesentlich besser aufgehoben. Wir haben gar keine Flüchtlingskrise, wir haben eine Politikkrise von über 40 Jahren Fehlentscheidungen.  Der Zusammenbruch der DDR hat nur verhindert, dass das kaputte System BRD repariert wurde. Im Gegenteil scheinen wir uns die schlechten Seiten der DDR gleich miteingekauft zu haben und damit meine ich nicht die Fremdenfeindlichkeit, sondern die allgegenwärtige Überwachung. Es scheint mir fast so, dass wir die beiden schlechten Seiten der DDR und der BRD Stück für Stück umsetzen und uns nicht um ein menschenwürdiges lebenswertes System kümmern wollen.

Das ganze färben wir dann mit einer schönen Sprache wie im Koalitionsvertrag ein. Wenn morgen dann irgendwelche Radikalen an der Macht sind und uns die Köpfe abschlagen, wundern wir uns. Wir sollten uns nicht wundern, denn sollte das geschehen sind wir selber daran schuld. Wir waren reformunfähig und haben kein menschenwürdiges System gewollt.

 

 

 

 

Die Browserlüge oder ein Wörtchen zur Sicherheit

An dem Tag als ich diesen Artikel schreibe, läuft das Zertifikat am 8. April 2018 aus.  Es weisst sich durch 03:42:D4:47:93:CF:53:D2:1B:75:C6:F2:E9:37:34:66:97:5D und durch aus 79:4B:D3:96:B0:3A:E5:1A:8D:BF:3E:92:B5:78:91:8B:9D:3B:79:D1. Wenn jemand irgendwann später auf diese Webseite kommt, wird es ein anderes Zertifikat sein. Aber nicht deswegen, weil dieses Zertifikat unsicherer geworden wäre, die Verschlüsselung schlechter geworden wäre, sondern alleine deshalb weil die Browser behaupten würden, das ganze wäre unsicherer geworden. Früher habe ich mit selbstsignierten Zertifikaten gearbeitet, bevor die Browser anfingen selbstsignierte Zertifikate als unsicher zu betrachten.

Die Verschlüsselung wird aber dadurch, dass das Zertifikat selbstsigniert ist nicht unsicherer. Der Besucher kann sich nur nicht sicher sein, ob der Server, der ihm antwortet auch wirklich der Server ist, den er besuchen möchte, wenn er niemals dort gewesen ist. Die Verschlüsselung selbst ist aber sicher. Die grünen netten Symbole in den Browsern sagen jetzt allerdings nur eines, dass der Name stimmt. Sprich es ist von dritter Seite überprüft worden, ob die IP-Adresse die im DNS-Server hinterlegt ist auch mit dem Namen übereinstimmt. Die Verschlüsselung läuft also zu dem Namen und das Zertifikat läuft auf den Namen. Das Zertifikat läuft nicht auf die IP-Adresse. Wenn nun jemand den DNS-Server hacken würde, dann kann er sich sofort über letsencrypt so ein grünes Zertifikat besorgen. In dem Moment denkt der Benutzer er wäre sicher, denn da oben ist ja dann das tolle grüne Symbol. In Wirklichkeit aber wäre der Server entführt worden und die Verschlüsselung läuft mit dem gehijackten Server und nicht mit dem Server mit dem man eigentlich kommunizieren wollte. Der Browser gaukelt also eine Sicherheit vor, die gar nicht existiert.

Ein selbstsigniertes Zertifikat das 10 Jahre gültig wäre, könnte auch Serverumzüge überleben. Solange der Inhalt des Servers selbst nicht gehackt würde, wäre die Verschlüsselung auch dann noch sicher, wenn der DNS gehijackt wäre, denn der falsche Server hätte zwar ein grünes Symbol im Browser aber es wäre das falsche Zertifikat. Wer das Zertifikat seines Servers kennt, wüsste also sofort, dass er auf dem falschen Server gelandet ist, wenn er sich nicht auf das grüne Symbol verlässt, sondern auf das selbst bestätigte Zertifikat nach der Ausnahmeregel, die man erstellt hat. Böse gesagt selbst ein abgelaufenes Zertifikat wäre eigentlich sicherer, wenn man dessen Ablaufdatum kennt. Da sich Nutzer aber dann darüber beschweren, dass nichts mehr funktioniert, belässt man es nicht bei dem abgelaufenen Zertifikat und nimmt auch keine selbstsignierten Zertifikate mehr.

Ein anderes Beispiel warum Namenszertifikate jetzt nicht sicherer sind, sind die Art und Weise der Auslieferung. Bei einer Domain betreibe ich zum Beispiel mehrere Maschinen, die den eigentlichen Inhalt ausliefern. Der Endpunkt ist immer die gleiche IP-Adresse und das Zertifikat wird über HA-Proxy ausgeliefert. Dahinter findet der Verkehr dann unverschlüsselt statt. Wenn der Nutzer nun glaubt, er würde sein Passwort verschlüsselt eintippen, dann ist das eigentlich falsch, die Verschlüsselung findet nur bis zum HA-Proxy statt.  Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist also nur vorgegaukelt.
Nähmen wir an, jemand würde es schaffen den DNS-Eintrag von meine.deutsche-bank.de auf die 129.35.230.2 zu entführen und liefert dann ein Zertifikat aus, das im Browser grün angezeigt würde, dann ist nicht sicher, dass wirklich mit der Bank kommuniziert wird. Wäre es nun statt einem Namenszertifikat das gleiche Zertifikat das bei der 160.83.8.78 und bei der 160.83.8.144 ausgeliefert würde, dann könnte ich ja verifizieren, ob dass das echte Zertifikat ist. Vorsichtshalber wird bei der 160.83.8.78 erst gar kein Zertifikat ausgeliefert sondern auf die 160.83.8.144 weitergeleitet. Das eine ist dann deutschebank.de, das zweite dann www.deutsche-bank.de und alles ist ja angeblich grün um dann bei der  129.35.230.2 wieder bei einem anderen Zertifikat zu landen, welches dann meine.deutsche-bank.de ist und das soll dann der Login zum Onlinebanking sein. Das eine Zertifikat läuft im März ab, das andere Zertifikat im September und ich soll jetzt Symantec vertrauen, dass das Zertifikat sicher ist. Hätte die deutsche Bank nun ein selbstsigniertes Zertifikat herausgegeben, das seit 10 Jahren das gleiche ist und nicht jährlich abläuft – um wieviel sicherer wäre dies? Aber da würde sich der Browser ja beschweren, dass das Zertifikat unsicher wäre. In Wirklichkeit wäre ein über Jahre etabliertes Zertifikat, das ich an verschiedenen Stellen abgleichen könnte, ob es wirklich das Zertifikat der Bank ist, wesentlich sicherer.

Stattdessen hat sich die Browserlüge als Geschäftsmodell für Zertifizierer etabliert.

Lust auf Arbeit

Daniel Föst beklagte sich heute morgen auf Twitter

„Was man an den roten Ampeln in München an Zeit und Energie verliert, geht auf keine Kuhhaut. Wenn man was gegen CO2 und NOX tun möchte, muss man den Verkehr verflüssigen.“