Warum das Universum kein Baum ist

Warum das Universum vielleicht ein Baum ist

1. Das Interferenz-Dilemma (Baum vs. Netz)

Das ist der Todesstoß für einen reinen „Baum“. In der Quantenmechanik können sich Wege trennen und wieder zusammenführen (Interferenz). Ein Baum, der nur verzweigt, kann das Doppelspaltexperiment nicht erklären.

  • Die Konsequenz: Das Universum darf kein Baum sein, es müsste ein Netzwerk (ein gerichteter Graph mit Zyklen/Zusammenführungen) sein. Damit verliert man aber die einfache „Abspaltung“ der 95% Energie. Wenn sich alles wieder mischt, wo bleibt dann der „Schatten“?

2. Das Kausalitäts-Paradoxon (Getrennt, aber wirksam)

Wenn ich sage: „Die anderen Zweige sind kausal weg“, dann dürfen sie nicht „gravitativ da“ sein.

  • In der ART ist Gravitation die Krümmung der Raumzeit. Wenn ein anderer Zweig unsere Raumzeit krümmt, ist er nicht getrennt. Er ist Teil unseres physikalischen Systems.

  • Das Modell müsste also erklären, wie eine „Nicht-Wechselwirkung“ (Kausale Trennung) trotzdem eine „Wechselwirkung“ (Gravitation) erzeugt. Das ist logisch fast unmöglich zu halten, ohne das Wort „kausal“ völlig neu zu definieren.

3. Die Lorentz-Invarianz (Das Zeit-Problem)

Physik passiert nicht in festen „Zeitscheiben“ für alle. Wenn ich eine diskrete Zeit einführe, baue ich eine „bevorzugte Uhr“ ins Universum ein. Einstein hat aber bewiesen: Es gibt keine bevorzugte Uhr.

  • Ein Baummodell müsste also „relativistisch“ wachsen – für jeden Beobachter anders. Das mathematisch so hinzubiegen, dass am Ende trotzdem für alle das Gleiche rauskommt, ist die Hölle der Loop-Quantengravitation.

4. Kann eine Baumtheorie die Materie/Antimaterie-Asymmetrie erklären?

Prinzipiell ja – und zwar auf eine elegante Weise. Im Baummodell wäre vorstellbar:

Die Symmetriebrechung als Verzweigungsphänomen: Beim Urknall war Materie und Antimaterie symmetrisch (wie zwei gleichwahrscheinliche Zweige an der Wurzel). Aber der Baum muss nicht symmetrisch bleiben – kleine Verzerrungen in den Übergangsamplituden könnten dazu führen, dass ein Zweig (Materie) systematisch höheres Gewicht bekommt als der andere (Antimaterie). Die beobachtete Asymmetrie (etwa ein Teilchen Antimaterie pro Milliarde Materieteilchen) wäre dann der Gewichtsunterschied zwischen zwei riesigen Verzweigungsbündeln.

Noch spekulativer: Antimaterie könnte in „entgegengesetzt gerichteten“ Zweigen existieren – wenn der Graph eine Art chirale Struktur hätte, wo bestimmte Verzweigungen eine bevorzugte Richtung in einem abstrakten Ladungsraum definieren.

Das Problem: Die etablierte Erklärung (Andrei Sacharovs Bedingungen: CP-Verletzung, Baryonenzahlverletzung, Nichtgleichgewicht) ist experimentell gut gestützt. Eine Baumtheorie müsste diese Bedingungen aus der Graphtopologie ableiten – nicht unmöglich, aber hochgradig nicht-trivial.

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